Sonntag, 9. August 2009

Driver's Seat: "News is blue"

Vorwort:Ich habe keine Rechte an Sniff and the tears Lied "Driver's Seat" und verdiene mit dieser Story kein Geld.




Jenny seufzte. Die Weihnachtszeit hätte nicht grausamer beginnen können. Eigentlich hatte sie sich auf eine ruhige Festzeit mit ihrer Mutter und Daisy gefreut. Daisy war eine amerikanische Austauschschülerin gewesen, als sie sich kennen gelernt hatten – nun war sie Jennys beste Freundin und Vertrauenspartnerin Nummer Eins. Auch über die große Distanz.
Daisys Eltern ließen sich gerade scheiden und deswegen wollte sie Weihnachten nicht daheim verbringen. Jenny war es gewohnt, ihre Elten waren nie verheiratet gewesen und hatten sich noch vor ihrer Geburt getrennt. Und genau diese Eltern hatten nun anscheinend geplant, ihr das Fest komplett zu versauen. Ihre Mutter hatte einen neuen Freund und der hatte ihr ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gemacht und sie über die Feiertage auf Liebesurlaub eingeladen. Als Jennys Vater davon Wind bekam, lud er sie natürlich sofort zu sich in die Schweiz ein. Von wegen „Weihnachten ist das Fest der Familie. Du kannst unmöglich allein mit deiner Freundin feiern.“
Das bedeute viel Streß für sie, allein schon wegen der Reise. Außerdem war das Verhältnis zu ihrem Vater nicht gerade das Beste. Und das alles gerade an ihrem letzten Arbeitstag vor Weihnachten.
Sie machte gerade ein Prakitkumsjahr beim Internetradio „OAO“, das heißt Ostallgäu-Online. Die Redaktion war in einem alten Fachwerkgebäude mitten in Oberstdorf. Jenny verstand die Mentalität der Stadt nicht, alle Häuser so aussehen zu lassen, als ob sie 200 Jahre alt wären. Sie hatte Mittagsschicht, das hieß, es gab nicht mehr viel zu tun, außer noch irgendwelchen Papierkram der Redaktion zu erledigen und Kaffee für die Nachtmoderatoren zu kochen. Michi, der absolut überdrehte Moderator plapperte munter ins Mikrofon: „Und das war ‚Just dance’ von Lady Gaga für Marie, die uns eine ganz liebe email geschrieben hat. Dankeschön! Und weiter geht’s jetzt mit ‚Mr Rock’n’Roll’ von Amy MacDonald und gleich danach ‚Almost Lover’ von A Fine Frenzy. Wir sind Ostallgäu-Online und garantiert Wham-frei!“ …und schon spielten die ersten Akkorde von Amy MacDonald ein. Die Pause nutzte er, um Jenny zu begrüßen. „Hi, na was gibt’s? Du siehst müde aus.“ Jenny drückte auf den Knopf der Kaffeemaschiene. „Hm, ja, ich habe die ganze Nacht mit meiner amerikanischen Freundin telefoniert.“ Michi war skeptisch. „Dann muss es ja ziemlich ernst sein, wenn das nicht bis morgen warten kann.“
Michi war Jenny von Anfang an sympatisch gewesen, auch wenn seine gute Laune extrem nervig war. Sie schüttelte den Kopf. „Kannst du dir etwas Schöneres vorstellen, als mit deinem Vater, der sich bis vor kurzem kaum für dich interessiert hat, Weihnachten zu verbringen?“
„Was ist mit deinem Vater?“
„Ach, er ist der Meinung, man kann sich nur mit erwachsenen Menschen gut unterhalten und richtig beschäftigen. Deswegen haben wir auch erst richtig Kontakt, seit ich volljährig bin. Davor hatte er immer nur oberflächlich zum Geburtstag gratuliert und gefragt, wie meine Noten sind. Und nun, wo ich fertig mit dem Studium bin, hat er auf einmal Aufholbedarf von 24 Jahren und will ständig, dass ich ihn besuche.“
Michi schluckte und wollte etwas sagen, als ihn ein Signal aus den Gedanken riß und er zum Mikrofon stolperte. Jenny hörte seinem überschwänglichen Gelaber gar nicht zu und kümmerte sich um die Stauinformationen. Es war eigentlich komplett hirnlos, dass eine Internetradiostation Staumeldungen und Blitzerwarnungen sendete. Man hört Internetradio schließlich wenn man daheim ist. Bei dieser anspruchslosen Arbeit fiel ihr immer wieder das Gespräch mit Daisy ein. „Na und? Dann fahren wir zu deinem Vater…wo wohnt der noch mal, hast du gesagt? Toggenburg? Ist doch klasse, da wohnt meine Freundin Josi! Die feiert dieses Jahr Weihnachten mal wieder in der Schweiz und nicht in Finnland.“ Josi, die Co-Trainerin der Schweizer, Ehefrau von Matti Hautamaeki und Schwägerin von Janne Ahonen. Jenny machte sich nichts aus Skispringen, aber Daisy liebte diesen Sport, obwohl der bei ihr zu Hause alles andere als populär war. Über die Karten für die Vierschanzentournee, die Jenny ihr zu Weihnachten schenken wollte, würde sich Daisy sicherlich freuen. Da die beiden Weihnachten nun aber in der Schweiz verbringen würden, handelte das Jenny nur mehr Streß ein. Von wegen Fest der Ruhe und Besinnung.

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