Amy saß nervös auf ihrem Balkon und versuchte es nun schon zum dritten Mal bei Ziva. Es war inzwischen dunkel und wenn Ziva Überstunden machen würde, hätte sie es ihr bestimmt gesagt, oder zumindest eine SMS geschrieben.
Sie wußte nicht, wie sie sich fühlen sollte. Enttäuscht, weil Ziva anscheinend Besseres zu tun hatte, als mit ihr zu telefonieren? Besorgt, weil es so untypisch für Ziva war, sich nicht zu melden? Amy seufzte und sprach auf den Anrufbeantworter:
„Hallo Ziva, ich bin’s, Amy. Ich wollte nur mal fragen, wie es dir so geht und ob du Lust hättest, mit mir am Wochenende ins Kino zu gehen…“
Sie hielt inne. Nahm sie Ziva zu sehr ein? Ziva war ein freiheitsliebender Mensch. Fühlte sie sich vielleicht eingeengt und meldete sich deswegen nicht? Brauchte sie einfach Zeit für sich selbst, ganz alleine?
Amy schluckte und setzte erneut an: „Also, natürlich nur wenn du magst…und wenn du Zeit hast…du hast bestimmt auch noch andere Sachen zu tun…“ Solange kannten sich die beiden schließlich auch nicht. Amy wurde traurig, als sie von der vermeintlichen Realität eingeholt wurde. Sie hatte von Anfang an etwas Besonderes zwischen ihr Ziva gefühlt. Waren das einfach Hormone gewesen und es war einfach nur das übliche Einheitsgewäsch, das alle ihre bisherigen Beziehungen gewesen waren? Die auch, wenn man sie mit gemeinsamen Urlaub, Ausflügen, Blumen und Pralinen dekoriert hatte, immer noch grau und so gewöhnlich gewesen waren? War es mit Ziva auch nur gemeinsame Interessen, Sex und Angst vor Einsamkeit?
Sie zog ihre Strickjacke fester zusammen. Einsamkeit. Es war kalt. Eiskalt.
Sie hatte völlig vergessen, dass die Aufnahme immer noch lief. Es piepste: „Die Aufnahme wurde beendet, der Speicherplatz ist fast voll.“, sagte eine Computerstimme.
Ziva stand vor ihrem telefon und hörte sich die Nachricht an. Was sollte sie tun? Ehe sie weitere überlegungen anstellte, hatte ihr Finger automatisch den Löschknopf betätigt.
Dieses Wochenende würde wie alle anderen werden: Früh aufstehen, joggen, Frühstücken, den Rest des Tages im Schwimmbad verbringen, eine Runde nach der anderen schwimmen, immer weiter, weiter. Abends ein Buch lesen und Kekse essen.
Kekse. Amys Kekse. Ständig diese Kekse!
Warum tat sie sich das überhaupt an? War es nicht einfacher, dieses fröhliche unbeschwerte, unbewaffnete Leben an Amys Seite zu führen? Ja, das war es vielleicht, aber Ziva hatte keine Wahl? Sie konnte sich Vertrauen nicht leisten.
Sonntag, 16. August 2009
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