Sonntag, 9. August 2009

Navy Soap (26)

Gott sei Dank war Freitag. Wenn Zivas Plänen nichts im Wege stand, dann würde sie das Wochenende mit Amy verbringen können.
Sie war vorher noch nie bei Amy gewesen. Sie wohnte in einer Studentengegend. Als Ziva den Weg von der Bushaltestelle zu ihrer Wohnung lief, genoß sie das Flair: Möchtgernintellektuelle saßen draußen in Cafes, rote und gelbe Blätter flogen kurz über den Boden hinweg, es waren mehr Fahrradfahrer als Autos unterwegs. Auch wenn sie etwas wehmütig darüber wurde, dass sie das Leben nie so genossen hatte, wie diese Studenten, ließ sie sich ihre Laune nicht verderben.
Amy schrieb gerade ihren Doktor in Kommunikationstechnik. Ziva war fast etwas neidisch. Amy kam ihr fast überlegen vor, weil sie alle Strategien der Werbung in allen Medien kannte und den Triggern somit ausweichen konnte und Ziva war auch etwas neidisch, weil sie solche Dinge, die den Alltag betrafen, nie gelernt hatte. In Israel herrschte auch ein etwas anderer Alltag als hier, auch wenn die Regierung das gerne anders darstellte. Einem Land, das Krieg führte, ging es wirtschaftlich noch nie so blendend…

„Hey!“, begrüßte Amy Ziva und gab ihr ein Küsschen. „Komm rein, fühl dich wie zu Hause.“
Ziva lächelte: „Das tu ich bei dir sowieso.“
„Wie war die Arbeit?“, fragte Amy, während sie schon wieder Richtung Küche lief. Ziva folgte einfach dem Duft von Pizza und stolperte dabei über einige Kabel.
„Sorry, ich war zu faul die Internet-Kabel durch die Wand zu verlegen, geht aber auch so…“, rief Amy aus der Küche. Die Kabel führten durchgequetscht unter einer Tür in einen weiteren Raum. Musste wohl Amys Arbeitszimmer sein.
Ziva musste über sich selbst und ihre Erwartungen an die Wohnung lachen. Sie waren in Washington, die Wohnungen waren teuer und Amy war Studentin. Natürlich war es hier klein und wer hatte als Doktorant schon Zeit um Kabel zu verlegen?
Die Küche war auch eher klein. Es gab nur eine kleine Theke mit zwei Hockern. Zivas Vorstellungen von einem romantischen Abendessen sahen zwar anders aus, aber seit wann war sie so anspruchsvoll bei so netten Menschen? Amy schien ihre Gedanken gelesen zu haben. „Oh, wir essen drüben im Wohnzimmer, ich hab extra ein Lagerfeuervideo auf meinen Computer runtergeladen. Ich wollte es uns ein wenig gemütlich machen.“, zwinkerte Amy.

Amy hatte die langweilige weiße Wand des Wohnzimmers selbst gestrichen und riesengroße Blumen mit Gesichtern daraufgemalt. Anfangs fühlte sich Ziva zwar etwas von Smiley-Blumen beobachtet, begann dann aber sie süß zu finden. Das Wohnzimmer war auch gleichzeitig das Arbeitszimmer. „Trotzdem etwas klein geraten, oder?“, fragte Ziva. Wenn sie an ihre Wohnung dachte…dort hatte sie schon fast zu viel Platz.
Die beiden waren inzwischen beim Nachtisch angekommen. Espresso und Cantuccini, ganz italienisch.
„Ich wollte den größten Raum als Schlafzimmer, schon allein wegen meinem riesigen Kleiderschrank. Eine Tante in Mailand zu haben ist echt der Tod. Außerdem hat das Zimmer drüben nen Balkon, ich arbeite sowieso am liebsten dort, wenn es das Wetter zu läßt…“
Amy begann weiter zu erzählen, über ihren Studiumsalltag, darüber was sie danach machen wollte, wie sie überhaupt von Chicago nach Washington gegangen ist…Ziva hörte ihr zwar zu, konnte aber irgendwann nicht anders, als “Halt die Klappe“ zu flüstern und Amy zu küssen. Spätestens jetzt war ihr klar, dass sie sich in diese Frau verliebt hatte.

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